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Mittwoch, 10.03.2010

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Lehrstellenaktion 2007

Ausbildung in ausländischen Betrieben

Unternehmen mit ausländischem Hintergrund sind mit knapp 280.000 Betrieben ein bedeutender Wirtschaftsfaktor in Deutschland. Doch ihre Beteiligung an der betrieblichen Ausbildung liegt bei weniger als 15 Prozent. Es gibt viele Gründe für diese Zurückhaltung, als wichtigster gilt der Mangel an Informationen bei Unternehmern, die selbst nicht im deutschen Ausbildungssystem groß geworden sind. Für sie ist Ausbildung häufig immer noch ein Buch mit sieben Siegeln, von dem sie lieber die Hände lassen.

Gelernt, Probleme zu lösen: Ausbilder mit Migrationshintergrund

Metallbauer Budak; Rechte: schneiders / wdr

Der türkische Metallbauer Budak bildet zum ersten Mal aus. Ein Erfolg, wie er sagt.

Dabei könnten gerade Unternehmer ausländischer Herkunft entscheidend zur Lösung der Ausbildungsmisere in Deutschland beitragen und viele der bereits in der nahen Zukunft dringend benötigten Nachwuchs-Fachkräfte ausbilden.
Auch für "bikulturell" aufgewachsene Jugendliche könnte dies einen Ausweg aus der Misere bedeuten: Sie haben es auf dem Ausbildungsmarkt schwerer als ihre deutschen Altersgenossen. Um es dennoch zu schaffen, benötigen sie besondere Kompetenzen im Umgang mit der Mehrheitsgesellschaft - Kompetenzen, die sich die "ausländischen" Ausbilder bereits erarbeitet haben und die sie in der Ausbildung an die jungen Migranten weiterreichen können.

Zum Anhören:

Metallbauer Budak geht mit gutem Beispiel voran

Was alles möglich ist, dafür gibt das Metallbau-Unternehmen Budak System aus Haan ein gutes Beispiel. Vor drei Jahren noch "zierte" sich der türkischstämmige Inhaber des Unternehmens auf die Frage, warum er nicht ausbildet: "Was passiert morgen? Habe ich keine Aufträge mehr, muss ich meine Leute entlassen und den jungen Kerl auch, der dann gerade mal ein Jahr in der Ausbildung war."

Mittlerweile bildet auch Mehmet Budak aus - seine Bedenken hat er zwar immer noch nicht über Bord geworfen, aber irgendwie hat es ihn gereizt, auszubilden. Zwei Azubis lernen nun bei ihm - zwei Jugendliche mit so genanntem Migrationshintergrund, die mit über 20 Jahren zudem als "Altbewerber" gelten. Also zwei junge Männer, die ohne das Engagement von Mehmet Budak kaum noch eine Chance gehabt hätten - auf dem Ausbildungsmarkt, später dann auf dem Arbeitsmarkt.

Keine Fachkräfte gefunden

Mehmet Budak und seine beiden Azubis; Rechte: schneiders / wdr

Mehmet Budak mit seinen beiden Azubis

Den beiden 24-Jährigen kam zu Gute, dass Budak der nachwuchs für seinen Betrieb fehlte: "Ich habe keine vernünftigen Fachkräfte auf dem Markt gefunden", erklärt Budak, "da habe ich mich durchgekämpft und bilde jetzt aus".

Zwei türkische Lehrlinge hat er jetzt, Murat und Erkan. Da er in seinem kleinen Betrieb mit vier Mitarbeitern nicht das ganze Spektrum einer Ausbildung zum Industriemechaniker anbieten kann, hat er sich nach einer Beratung durch die IHK-Velbert für eine Verbundausbildung entschieden.

Probleme mit der Bürokratie

Nicht nur innerlich hat sich Budak "durchgekämpft" - er hat auch den Verwaltungsaufwand überwunden, eine abschreckende Hürde für viele ausländische Firmeninhaber in Deutschland. Letztlich bereitete ihm dies die größten Probleme. Ohne seine Sekretärin jedenfalls, so sagt er, hätte es nicht geschafft:

"Wir haben dann festgestellt, dass die Bürokratie dermaßen groß ist, dass wir die ersten Wochen unheimlich viel Papierarbeit hatten. Alle sechs Monate müssen wir diverse Unterlagen einschicken. Wenn ich die Sekretärin nicht hätte, hätte ich die 9.000 Euro zurückgegeben, und hätte gesagt, wisst ihr was, damit komme ich einfach nicht klar".

Bessere Integration durch Ausbildung

Nachmittags übt Budak mit seinen Lehrlingen Murat und Erkan, bereitet Klassenarbeiten vor oder geht Kapitel aus dem Lehrbuch mit ihnen durch. Die Lehre ist auch für die beiden Azubis ein großer Schritt. Erkan zum Beispiel ist nach der Schule drei Jahre lang dem schnellen Geld hinterher gejagt - mit Jobs als Kurierfahrer, Kellner oder Lagerarbeiter. Nun hat er erkannt, dass eine Ausbildung zwar hart und finanziell eine Durststrecke, aber für seine Zukunft wichtig ist: "Ich bin stolz auf mich", sagt Erkan, "dass ich das so weit gebracht habe." So profitieren alle Beteiligten - der Metallbauer Budak ebenso wie die beiden zukünftigen Facharbeiter Murat und Erkan - von der Entscheidung des Unternehmers für die Ausbildung.

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