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WDR Lehrstellenaktion
Ein Vorstellungsgespräch ist wichtig. Aber was, wenn man erst gar nicht zum Vorstellungsgespräch eingeladen wird, weil das Bewerbungsschreiben Betriebe nicht anspricht? Das passiert nicht selten und liegt häufig noch nicht einmal an den Noten: Viele Schüler wissen einfach nicht, wie sie ihre Bewerbung richtig schreiben. Das Erich-Brost-Berufskolleg in Essen hat deshalb ein Projekt ins Leben gerufen, das die Schüler besser vorbereiten soll.
Yücel übt den Ernstfall. Im sportlichen grauen Anzug wirkt er völlig relaxed, schaut Ausbilderin Marion Schulte offen und aufmerksam an, beantwortet ihre Fragen ruhig.
Dieses Vorstellungsgespräch ist simuliert, könnte sich aber genauso in der Realität abspielen. Vorausgesetzt, die Bewerbungsmappe hat ein Unternehmen neugierig gemacht und den Kandidaten eingeladen. Viele Schüler tun sich aber schwer damit, eine aussagekräftige Bewerbung zu schreiben, obwohl es reichlich Literatur und Tipps im Internet gibt.
Erfolgreich mit der Bewerbungsmappe von "Ab in die Ausbildung"
"Die jungen Leute kennen sich noch gar nicht richtig", weiß Alma Wachold-Kuhn. Sie ist Leiterin des Projekts "Ab in die Ausbildung" am Essener Berufskolleg. "Die Jugendlichen wissen vielleicht, dass sie in Mathe gut sind. Aber in welcher Weise das für ein Unternehmen gut sein kann, dass man sagen kann: "Ich kann ganz toll mit Menschen umgehen, ich kann ganz toll organisieren, auf mich kann man sich jeder Zeit verlassen, ich denke immer für alle mit", darauf kommen die gar nicht von selbst." Deshalb suchen die Trainer und die Jugendlichen zusammen die Antwort auf drei Fragen: Warum diese Firma, warum dieser Ausbildungsberuf, und warum ich?
"Ab in die Ausbildung" hilft den 17- 20-Jährigen auf die Sprünge. 35 Schüler haben mit Hilfe ihrer Lehrer ihre ganz individuelle Bewerbungsmappe gestaltet.
Auf Marion Schulte, Ausbilderin bei einer Versicherungsgesellschaft, haben die Bewerbungsmappen Eindruck gemacht: "Das Tolle ist eigentlich, dass sie sehr ausführlich sind, sehr schön gegliedert und übersichtlich sind, auch vom äußeren Erscheinungsbild". Dann werden ebenfalls mit Experten Einstellungstests in Echtzeit geübt. Zum Schluss, sozusagen als "i-Tüpfelchen" des Projekts, simulieren die Jugendlichen mit Ausbildern großer Essener Unternehmen ein Vorstellungsgespräche.
Viel Zeit haben die Jugendlichen in den vergangenen Woche damit zugebracht, zu üben, wie man sich richtig präsentiert. Nach dem simulierten Gespräch sind alle zufrieden.
Ein Feedback und Tipps für spätere Vorstellungsgespräche bekommen alle: Etwa, dass sich unentschuldigte Fehlstunden auf dem Zeugnis schlecht machen und man zumindest eine Erklärung parat haben sollte. Oder dass man selbst im Hochsommer nicht in kurzen Hosen oder im luftigen T-Shirt zum Einstellungstest gehen sollte, weil da schon der erste Eindruck entsteht, noch vor einem möglichen Einstellungsgespräch.
Ohne das lange Training wäre auch Yücel im Vorstellungsgespräch bestimmt nicht so entspannt und souverän geblieben. Das sieht er auch selbst so: "Ich konnte mich gut auf die Einstellungstests vorbereiten und dass man präzise auf die W-Fragen eingehen sollte. Warum will man zu diesem Unternehmen, warum diesen Beruf, warum ich? Freunde haben mich gefragt, warum ich das mache. Aber ich kriege hier eine perfekte Bewerbungsmappe, man hat nur Vorteile davon." Ein weiteres Fazit: Die Projektteilnehmer des vergangenen Jahres haben alle einen Ausbildungsplatz gefunden.
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Ein Beitrag in WDR 2 - Stand: 02.09.09